Records On The Way


Le Freak


Schon einige Monate vor  der denkwürdigen Frankfurt Rocknight '79, man schrieb noch 1978, war uns das kompakte, vollgestopfte Rockpoint Studio zu klein geworden und man kam in Kontakt mit dem manischen Lötkolbenmatador Laci Viragh, der nur ein paar Straßen weiter im Begiff war, ein Tonstudio zu bauen.

Es fehlte ihm außer Geld auch noch ein Großteil der technischen Ausrüstung. Ruck Zuck hatten meine Schmierencommöditianten den gutmütigen Studiobesitzer in Spe überredet, den weiteren Weg als Dreiachtelanteilbeteiligungssklave  gemeinsam zu gehen.


Another Brick in The Wall


Anyway, der Studiobau ging dank unseres unermüdlichen Partnersklaven und meinem reanimierten Kumpel Ernst stetig, aber etwas zäh voran.

Nach der sechsachtel Fertigstellung durch unsere Koriphäen wurde das Equipment um die drei Ecken vom Rockpoint zum neuen Studio geschafft.

Für dieses, um einiges größere Studio, war die alte Brenell 8 Spur natürlich viel zu mickrig. Eine 16 Spur Maschine sollte es schon sein.
Die etablierten Marken wie Telefunken oder Studer waren exorbitant teuer und so ermittelte unser Elektronikguru einen deutlich preiswerteren amerikanischen Hersteller. Der hieß Bouse und bot die Tonkiste zum Spottpreis von 18,000 Dollar an. Da man aber keine Katze im Sack kaufen wollte, war angesichts des gesparten Geldes eine Geschäftsreise zum Hersteller im Amiland angesagt.

Unser Oberelektriker zusammen mit dem Oberschwarzgeldverwalter verbanden dies praktischerweise mit einem Kurzurlaub und flogen gemeinsam zum 16 Spur gucken über den großen Teich. Ich als GF mußte die Hütte bewachen.

 

Durch einen Besuch im berühmten Recordplant Studio, es wurde gerade die legendäre Platte "Rumors" mit Fleetwood Mac aufgenommen und den Filmways/Heider Studios (Doobie Brothers, Santana, Jefferson Starship) in San Francisco tief beindruckt, kam man durch göttliche Eingebung auf den neuen Studionamen RECORDWAY STUDIO. Auf diesen Namen hatte man sich während des Heimflugs schon festgelegt. War aber ganz OK. 

 

 

Alte Kameraden

 

Doch zuvor, zum Teil noch mit der alten 8 Spur Maschine, nahmen wir eine Reihe von halb verhungerten Künstlern auf, die durch unsere unermüdlich suchenden Talent Scouts in den Kaschemmen des Bockenheimer und sonstigen Nachtlebens mit dem Versprechen einer Weltkarriere aufgerissen wurden. 

Dank einer alten Compactcassette, die ich in meiner Wunderkiste gefunden habe, einige Beispiele zu diesen Interpreten.

Es sind alles Roughmixes, die zwischen 1978 und 1979 teils auf 8 Spur, teils auf 16 Spur aufgenommen wurden.

 

Es waren so weithin unbekannte Künstler wie unser Hausblasser Ronnie D. Williams, der leider viel zu früh verstorben ist (schönen Gruß an Billy Preston!), oder die Chordamen Geschwister Fürchterlich, auch unter dem bürgerlichen Namen als Welser Sisters bekannt. 

Der Spitzname war nicht böse gemeint, denn sie sangen wirklich sehr gut wie man im folgenden Tondokument der Basic Tracks hören kann. 

 

https://soundcloud.com/alfred-e-neumann01/ronnie-youre-the-answer-answer-basic-tracks

 

Und da war unser Lonesome Cowboy Virgil Washington, dessen Gesangsstil der Tristesse unendlicher Weiten des texanischen Hinterlands entsprang. Er nahm ein Phänomen vorweg, das ich heute etwas despektierlich Jammerpop nenne.

Man beachte die geschmackvolle, filligrane Gitarrenarbeit von Muli Müller, die stilistisch an den zu dieser Zeit kaum bekannten Dire Straits Gitarristen Mark Knopfler erinnerte. 

 

https://soundcloud.com/alfred-e-neumann01/virgil-washington-i-aint-coming-home-til-its-done-basic-tracks  

 

Auch Elfenbein, die Bad Homburger Power Hardrock Band um unseren staubtrockenen Studioschlagzeuger Clemens "Mülleimer" Müller, nahm nach ihrer ersten LP neue Titel für eine zweite auf. Obwohl viel versprechende Ansätze zu erkennen waren, wurde das Projekt von ihnen aufgegeben.

 

https://soundcloud.com/alfred-e-neumann01/elfenbein-1-eq-x

 

Dazu noch diverse eher dunkel gefärbte Soul Ladies,  zum unverbindlichen Ausprobieren - oder besser und unverfänglicher ausgedrückt, zwecks Probeaufnahmen.