Schade, schade, schade

 

 

Dumm gelaufen 


Nachdem 1980 der unglückliche Rodgaudeal mit Bellaphon einen wenig erfreulichen Verlauf genommen hatte, sollte aus den bereits vorhandenen und noch zu ergänzenden Aufnahmen eine LP produziert werden.
Ich war bekanntlich aus dieser Geschichte raus und hatte, nachdem die Unglücksraben sich die Chance bei der Major Company CBS ihre Karriere zu starten selbst versemmelt hatten, als letzte heilige Handlung mit Bernd Grubers Rockport Records einen neuen Vertriebspartner gefunden. Die Firma war zwar ein Branchenzwerg, aber zum Ausgleich mit ihrem Herzblut ganz und gar bei der Sache.

Dafür mußte die Produktion aber erst einmal fertig gestellt werden.

Nach einem wohl allzu schnellen, unüberlegten Hinweis meines Lötgenies fanden die Oberfinanzjongleure bald darauf ihre neuen Opfer.

Zum Dank dafür war er dann auch ganz schnell raus aus dem Geschäft. An dem langsam anlaufenden Recordway Studio hatten sie schnell Interesse verloren und es mußte eine neue Spielwiese der Eitelkeiten gefunden werden.



I Want A New Drug


Es war Anfang 1982 und in der Mainzer Landstraße nähe der Galluswarte residierte im Hinterhof unter dem Dach das nächste, nur rudimentär vorhandene Tonstudio.

Sein Name war Timewriters. Die Eigentümer waren, wie der etwas ungewöhnliche Name auch nahelegte, Amerikaner. Sie waren Bruce K. Loud, Diesel Smith und Mary S. Applegate. Letztere war eine sehr begabte Texterin, die unter anderem die Lyrics des Welthits "The Power Of Love" für Jennifer Rush geschrieben hatte.
Damals krebsten sie, mehr schlecht als recht und mit schrottreifer Technik ausgestattet vor sich hin und waren auf der verzweifelten Suche nach Investoren.

Da kamen die Firmenabrissprofis gerade recht. Auf die ganz Schnelle wurde eine GbR gegründet und große Pläne geschmiedet.


Nach dem aufwendigen Innenausbau durch einen freundlichen Handwerker richtete man in einem Nebenraum ein professionelles Videostudio ein und eine pompös ausgestattete Lounge nebst Bar rundete das Gesamtpaket ab.
Der bisherige Name Timewriters wurde später rechtzeitig zur obligatorischen Eröffnungsparty auf der sich fast die gesamte Frankfurter Finanzhalbwelt einstellte, in Dreamboat Studios umgeändert.

Einen weiteren Tonmensch zu meiner Unterstützung hatten wir bereits früher gefunden.

Bernhard Frantsits war mit anderen Musikern im Zuge der "Austrian Invasion" aus der Alpenrepublik mitgeschwemmt worden und sollte gemeinsam mit mir die Produktionen fahren.

   

Monsters Of Schmock


Rückblick: Bereits 1981 war plötzlich eine in der Szene nicht unumstrittene Gestalt im Recordway Studio aufgetaucht. Er nannte sich selbstbewußt Schallplattenproduzent, hatte aber außer seinem schon vorausgeeilten Ruf bisher noch wenig Greifbares vorzuweisen.

Von keinerlei Selbstzweifeln geplagt war er sofort bereit, die Monotone LP zu Ende zu bringen.

So wurde das Masterband schließlich von Bernhard als Tonkutscher und ihm als Beisitzer mit dem Segen des Oberhäuptlings auch tatsächlich presswerkfertig abgeliefert.

Das Werk hieß bekanntlich "Wollt ihr Musik, oder was?!" und strotzte nur so vor Originalität, was leider in den Verkaufszahlen nicht seine Entsprechung fand, da dem kleinen Rockport Label natürlich Kohle für die notwendige Promotion fehlte.


Es war 1982 und die erste und letzte LP mit diesem so genannten Schallplattenproduzenten und den Rodgau Monotones.

Er wurde später degradiert und war die nächste Zeit in seinem vermutlich erlernten Beruf als Buchhalter  für die Firma tätig. Diesen Job erledigte er dann auch dank eines exorbitanten Gehalts zu unser aller Zufriedenheit.