Starting All Over Again

 

The King Of The Blues

 

Nach der bewegten Zeit mit unzähligen Musikern, Ton- und Videostudios, den meist stressigen Auseinandersetzungen mit den "Partnern" und letztendlich dem Hintersichlassen der ganzen Chose, gönnte ich mir eine mehrere Jahre dauernde Auszeit vom Musikbusiness und verließen 1992 die alte Heimat im Vordertaunus und zogen in unser neues Domizil am fränkischen Untermain. 

Es war 1995 und rein zufällig trieb ich mich eines Tags beim einzigen Musikdealer am Platz herum und der Besitzer des Musikerparadieses erwähnte beiläufig, dass drei in der Region etablierte Bluesbuben mit dem Gedanken spielten, Klangspektrum durch einen Tastendrücker zu erweitern. An diesem Job war ich einigermaßen interessiert; eine Bluesband fehlte in meiner Erfahrungssammlung noch. 

Das Trio nannte sich Fair und bestand aus dem unbestrittenen King of the Blues vom Untermain Rolf "Ede" Fischeder an der Edelpaula. Natürlich mit einem Marshall hinter sich, dem Bassmenschen Alexander "Alex" Schwarz mit seinem an den schwedischen Nobelamp EBS angestöpselten, handgeschnitzten Designerbass und dem Miltenberger Kunstfaktotum Oskar "Ossi" Hülbig an überraschend schlichten Großserientrommeltöpfen.

Nach einigen Proben spielten wir in sämtlichen Musikkneipen der Umgebung und die Routine wuchs mit jedem Auftritt, die Musikqualität aber nur bedingt. Die Gründe dafür fand ich leider erst nach einiger Zeit heraus. 

 

 

Alexander’s Ragtime Band

 

Anfang 1996 las ich in unserem Heimatblatt die Kleinanzeige einer Band aus dem Kahlgrund die einen Keyboarder suchte. Sie nannten sich Die falschen Fuffziger, deren Musikrichtung sie mit „Rock'nswingingschlagertwistandheavywaltz“ ziemlich treffend beschrieben. Übersetzen konnte man das mit Oldies, Rock’n’Roll und Swingnummern. 

Auf der Bühne standen eine für mich ungewöhnlich große Anzahl von Musikern herum:

Leonhard "Leo" Schultes Drums, Roland Plötz Bass, Klaus Rüppel Gitarre, Dirk Florian Posaune, Alexander Rosenberger Saxofon, Klaus Elsässer Saxofon, Florian Sommer Trompete, Stefan Seitz Trompete, Gitarre und Gesang, Blanka Gehrig Gesang und ich wie immer Keyboards. Das waren dann zehn Musiker, schon fast eine Bigband.

 

Mit Fair fühlte ich mich musikalisch nicht mehr ausgelastet und konnte eine Horizonterweiterung durchaus verkraften. Warum also nicht in zwei Bands spielen? Andere machten das ebenso.

Nach telefonischer Absprache besuchte ich eine Probe der Falschen Fuffziger. Die war sehr motivierend und ich sagte spontan zu, mitzumachen. Die Proben mit Fair fanden inzwischen nur noch sporadisch statt und auch die Anzahl der Auftritte nahm immer mehr ab.

So konnte ich mich ganz auf die Kahlgründer Band konzentrieren. Das einzige Haar in der Suppe waren die wöchentlichen Fahrten zur Probe nach Schöllkrippen. Es waren immerhin über sechzig Kilometer einfach.

Aber egal – was macht man nicht alles für die Musik.

 

 

Info:

Die Fotos stammen von einem der letzten Fair Auftritte im September 1996 beim legendären "Jetzt erst recht!" Konzert in Miltenberg.

Dies war von Harald Chmiel, dem Musik-Center Besitzer und mir in aller Eile aus dem Boden gestampft worden, nachdem die geplanten prominenten Bands kurzfristig abgesagt hatten. Stattdessen traten lokale Gruppen auf.

Obwohl diese regelmäßigen Veranstaltungen mit Bands wie The Kinks, Uriah Heep oder Manfred Mann's Earth Band eine über 30 jährige Tradition hatten, wollte sie die Stadt Miltenberg ersatzlos streichen, was sie letztendlich auch tat.