Play That Funky Music

 

 

It  Ain‘t Over‚ ‘Til It’s Over

 

Wenn’s nicht mehr geht, geht’s nicht mehr. Diese tiefschürfende Erkenntnis machte sich bei Alex und mir immer mehr breit.

Fastnacht 1997 hatte Fair den letzten Auftritt im Löwenbräu Stüble in Miltenberg und danach war endgültig Schluß, aus und vorbei mit Fair. Es war ein Ende ohne Schrecken und wir konnten uns mit voller Energie der neuen Aufgabe widmen.

 

Bereits im Jahr zuvor hatte Alex, der als Südspessartbewohner in der dortigen Szene zuhause war, bereits seine Fühler ausgestreckt und einen in dieser waldreichen Gegend wohlbekannten Gitarrenmenschen ausgedeutet.

Bei dieser Gelegenheit packte er auch noch zwei Singschwestern oben drauf, die demselben Handwerk nachgingen.

Ich begutachtete die drei anläßlich eines Auftritts der Teilzeitgruppe The Tumble Weeds in einer der zahlreichen Südspessarter Turnhallen. Und was ich sah und hörte war erfreulich!

 

 

Two Real Mothers For Ya 

 

Da waren der Gitarrist Friedhelm "Fid" Haas und die beiden Gesangsartistinnen Doris Geiger und Bernadette "Bernie" Stahl. Alle drei waren der schwarzen Musikrichtung zugetan und von der Aussicht auf eine feste Band einigermaßen begeistert. 

Jetzt fehlte nur noch die Rhythmusmaschine. Auch hier reichte Alex ein Blick ins Archiv. Er zog sofort die Karteikarte von Jens Scharf hervor, der sich in der traditionell konservativen Vierviertelbluesschema Branche den Ruf eines für deren schlichtere Vertreter viel zu komplex spielenden, experimentierfreudigen aber anerkannt guten Drummers erworben hatte. 

Im Keller von Jens' Nobelhobelautohauses im idyllischen Erftal, er hatte die örtliche BMW Vertretung, stellte er einen Proberaum zur Verfügung.

 

 

Word Up!

    

Mangels spontaner Ideen für einen passenden Bandnamen verpasste ich dem Ganzen vorläufig den Arbeitstitel Funk Project. Der erschien uns aber für eine öffentliche Verwendung zu trocken und deshalb mußte ein cremigerer Name gefunden werden. 

Zum Glück fiel uns die Lösung nach wildem Brainstorming ein: Six For Funk. Der Name war gleichzeitig Programm und wurde einstimmig beschlossen. 

 

 

Let’s Have A Good Time

 

Nun konnten wir mit dem Wesentlichen beginnen, der Ausarbeitung eines Bühnenprogramms. 

Zunächst suchten wir uns Perlen der schwarzen Musikliteratur heraus wie unter anderem

"Car Wash" von Rose Royce, "Play That Funky Music" von Wild Cherry, "A Real Mother For You" von Johnny Guitar Watson oder "Baby Love" von Mother’s Finest.

Dazu kamen auf Wunsch unserer einzelnen Damen "Smooth Operator oder "Hang On To Your Love" von Sade. 

Die Proben verliefen sehr zufriedenstellend und wir kamen rasch voran. Das lag hauptsächlich an der Begeisterung, mit der jeder an die Sache heranging.

Es machte einfach Spaß und ich hatte endlich meine  Musikrichtung gefunden. 

 

Wir klapperten die unterfränkische Clubszene rauf und runter und ließen keinen Gig aus. Zu dieser Zeit war 6/4 Funk die einzige Band in der Region, die sich der schwarzen Musik verschrieben hatten. In der Folge stellte sich ein gewisser Ruf ein und die Buchungen nahmen zu. Per Zufall kamen wir eines Tages mit dem Saxofonisten Oliver "Oli" Schwarzinger zusammen, der zuvor in einer Punkband hupte. Er war die Kirsche auf unserer Schokoladentorte und passte menschlich wie auch musikalisch perfekt zur Truppe.

 

 

Two Places At The Same Time

 

Zeitgleich spielte ich auch noch bei den Falschen Fuffzigern. Bei denen nahm die Anzahl der Auftritte im gleichen Maß ab, wie sie bei 6 4 Funk zunahm. Im Jahr 1998 traten wir nur noch vier mal auf, mit den Funkern dagegen fast vier mal so oft. 

Es wiederholte sich die gleiche Geschichte wie bei Fair: Keine Gigs mehr – keinen Bock mehr! 

Dazu kam bei den Fuffzigern noch der Aufwand, jede Woche zur Probe in den Kahlgrund und zurück zu gurken. Die Sache hatte sich totgelaufen und nach dem letzten offiziellen Auftritt im September 1998 reichte ich meine Kündigung ein.

Es war eine schöne Zeit mit der kleinen Big Band, aber es machte einfach keinen Sinn mehr.

 

 

It’s All Over Now Baby Blue

 

Nach einem erfolgreichen Auftritt 1998 anläßlich des "Quätschich Power Festivals" im Südspessarträuberland das alljährlich im September stattfand, spielten wir in der darauffolgenden  Herbst / Winter Saison noch in etlichen Clubs.

Nach einer etwas nobleren Privatparty in einem Gourmetetablissement der gehobeneren Kategorie saßen wir eines Abends im März 1999 zu einem Strategiegespräch zusammen. 

Es kamen die x-mal gehörten Einlassungen zur Sprache:

"Ich habe einfach keinen Bock mehr..., aber bitte nicht persönlich nehmen...", "Eigentlich schwebt mir was ganz anderes vor...", "Ich bin beruflich so im Stress und habe einfach keine Zeit mehr..." usw.

Aber was soll’s. Aus früheren Erfahrungen wußte ich, man kann niemand zu ungeliebten Tätigkeiten zwingen, am wenigsten launische Musiker.

 

Und wenn diese nicht (aus)gestorben sind, so leben sie noch heute...

Frei nach unzähligen Märchenerzählern, die so ihre meistens mit einem glücklichen Ausgang versehenen Geschichten enden ließen.

Für mich war es jedenfalls das Ende meiner  aktiven musikalischen Laufbahn.

                                                     

                                                    ----  The End ----

 

Info: Und als letztes Tondokument ein Medley aus dem oben genannten Auftritt beim "Quätschich Power Festival", der 1998 in Kreuzwertheim stattfand. Die Aufnahmen entstanden direkt aus dem Livemischpult und bis auf den Zusammenschnittohne Nachbearbeitung.

 

https://soundcloud.com/alfred-e-neumann01/64-funk-medley-vom-quatschich-power-festival-1998