Can´t Buy A Thrill

 
Sign In Stranger


Nach dem Kurztrip mit Onyx bis Anfang 1977 folgte fast nahtlos die nächste Band. Sie nannte sich nach ihrer Heimatstadt Bad Homburg Homburg.

Es war zunächst eine reine Studioband in der Besetzung Babs Kühn Gesang, Jürgen "Kühni" Kühn Bass und Gesang, Roland Wolz Gitarre und Gesang, Michael "Paul" Wagner Drums und ich natürlich Keyboards und überflüssiger- aber ausgedeuteterweise Gesang.  

Unser luxuriöse Proberaum war in einem Bad Homburger Tonstudio. Dass während der Proben keine Mitschnitte auf der Achtspur Maschine gemacht wurden, blieb mir bis zunächst ein Rätsel. Der Grund war einfach: Herr Tonstudiobesitzer war in erster Linie hinter dem Geld her, wie der Teufel hinter einer armen Seele.


Hier hörte ich zum ersten mal von der amerikanischen Band Steely Dan. Nach meinen eher poplastigen Erfahrungen, erschlossen sich mir am Anfang die komplexen und ungewohnten Strukturen der Steely Dan Stücke nur sehr schwer. Doch ich stellte mich der Herausforderung und wurde reich belohnt.

 


The Royal Scam

 

Nach einigen Studiojobs war der erste Auftritt nach einem halben Jahr Proben im Herbst 1977 anläßlich des Bad Homburger Laternenfests.

Zuvor war noch ein zweiter Gitarrist und Sänger hinzu gekommen. Sein Name war Alex de Hesse. 

Der gebürtiger Amerikaner konnte richti gut singen und spielte auch Gitarre. Die Veranstaltung fand an 3. September im Bürgerhaus Kirdorf statt. Der Hauptact, die angeblich prominente und mit zwei LPs geadelte Krautrock Band "Sahara" aus München, hatte kurzfristig abgesagt. 
Nach dem Auftritt waren wir auf auf die Reaktionen des Publikums gespannt. Immerhin hatten wir mit einigen Steely Dan Titeln relativ schwere Kost serviert.
Aber unsere Sorge war unbegründet. Dem reichlichen Beifall und den Kommentaren nach, hatten wir ein durchaus hörenswertes Konzert abgeliefert. Dennoch war es der erste und letzte Auftritt in dieser Besetzung.



Haitian Divorce


Nach etlichen Auseinandersetzungen mit dem Studiobesitzer beschlossen wir auf eigenen Füßen zu stehen. Leider folgte unser amerikanischer Freund uns nicht auf diesem Weg.
Nach längerem Suchen fanden wir einen geeigneten Übungsraum. Wir probten mit einiger Begeisterung über die neu gewonnene Freiheit und wagten uns nach kurzer Zeit sogar an eigene Songs heran.


Ich hatte schon vorher einige Stücke im Rohzustand auf Lager, die wir dann gemeinsam fertig arrangierten. Dabei legten wir besonderen Wert auf eine eingängige und nachvollziehbare Struktur. Abgehobene und komplizierte Klangexperimente wurden bewußt vermieden. Wir nannten unser Musik in in der Hoffnung auf einen werbewirksamen Effekt "Heart Rock".



Countdown To Extacy


Unser Konzept schien zu funktionieren und wurde in der Folge von erstaunlich vielen Clubbesitzern honoriert. Und das im Wortsinn. Nach wenigen Auftritten gehörten wir zu den Bestbezahlten Amateurbands der Region und spielten in den damals angesagtesten Live Clubs. Dies waren unter anderem  das "La Soiree´" in Bad Homburg, die "Fabrik" in Offenbach oder die "Goldene Krone" in Darmstadt. Für eine Freizeitband waren wir ganz schön erfolgreich.
Der Spruch "Man sollte aufhören, wenn´s am schönsten ist" traf den Nagel aber sowas von auf den Kopf...



Black Friday


Ich weiß nicht mehr genau, wann die fast schon zur Gewohnheit gewordene Auflösung stattfand, aber dazu führten gleich mehrere Faktoren.

Zum Einen die bedauerliche, schwere Erkrankung von Roland und zum Anderen Paul´s Idee, sich musikalisch umzuorientieren. Die dritte Katastrophe war Babs´ plötzlich aufgetretene Schwangerschaft, die sie dadurch längerfristig dem Musikbusiness entzog.
Das alles geschah im Jahr 1978 und ich hatte nach diesen negativen Erfahrungen die Schnauze erst einmal gestrichen voll. 

 

                                                             

Anmerkung:

Vor kurzem habe ich im Speicher eine Kiste mit Compact Cassetten gefunden. Dabei waren einige für mich historisch wichtige, uralte Aufnahmen. 

Ich habe eine Stück von Homburg ausgewählt, das Ende 1978 im Musikclub "Fillwood" in Bad Vilbel aufgenommen wurde.

Es ist ein Live Mitschnitt des Steely Dan Titels "The Caves Of Altamira". Er wurde mit zwei Mikrofonen im Publikum, direkt auf einen billigen Cassettenrekorder aufgenommen. Verrauscht, verzerrt, ohne Höhen, aber authentisch. Obwohl es heute jede Menge Tools zur Nachbearbeitung gibt, habe ich darauf bewusst verzichtet und ihn original eingestellt.

 

Trotz der bescheidenen Qualität hört man deutlich, wie eine damals schon ältere Gibson ES 335 in Verbindung mit einem englischen "Sound City" 200 Watt (!) Röhrenverstärker klingt. 

Als Vintage- Gitarre wird sie heute zu horrenden Preisen gehandelt.

 

https://soundcloud.com/alfred-e-neumann01/homburg-caves-of-altamira

 

 

Und hier noch die einzige Studioaufnahme von Homburg, die im Zuge eines Kompensationsgeschäfts entstanden ist. Der Titel "Goodbye" wurde von Babs, die für den Text zuständig war und mir geschrieben.

 

https://soundcloud.com/alfred-e-neumann01/homburg-goodbye

  

 

Info für Spezialisten

 Hier wird am Beispiel einer neueren Steely Dan Liveaufzeichnung deutlich, wie das von Led Zeppelins Robert Plant als "bestes Rockgitarrensolo aller Zeiten" bezeichnete Solo im Titel "Kid Charlemagne" von dem an sich hervorragenden Studiogitarrist Jon Herington ziemlich uninspiriert heruntergenudelt wird. Er hatte wohl einen schlechten Tag.

Auf der Albumversion von 1976 wurde dieses Solo von Larry Carlton im ersten Take auf's Band genagelt.

 

Ich habe zum Vergleich ein Solocompilation von ihm herausgesucht, auf er dieses Solo performt. Es ist der zweite Titel nach "Hill Street Blues". Der Unterschied beträgt Meilen. Aber bildet euch selbst ein Urteil!

Das Solo hatte er für Steely Dans Titel "Dont Take Me Alive" eingespielt.

 

Auf dem dritten Video das Originalsolo von Larry Carlton aus dem 1976er  Album "The Royal Scam".